Heimspiel der Weltmeister

Sie sind Fußballweltmeister. Auch bei den Summen, die in deutsche Immobilien investiert werden, sind die Deutschen weltmeisterlich. Entscheidend ist die konsequente Arbeit am eigenen Standort. Deutsche Kommunen und Unternehmen wissen, wie man sich bei der EXPO REAL vor 74 Nationen erfolgreich präsentiert.

Bereits Ende September hat das Transaktionsvolumen auf dem deutschen Gewerbeimmobilienmarkt das Vorjahresergebnis erreicht – der Fünfjahresschnitt ist sogar um über 130 Prozent getoppt worden. Da schien die Expo Real für die deutschen Aussteller nur noch eine Zugabe zu sein. Die Geschäfte, die hier gemacht oder angebahnt wurden, werden wohl frühestens im Frühjahr 2015 den Marktumsätzen zu Gute kommen – der Rückschluss: Die Umsätze des heurigen Jahres wurden sicher zu einem guten Teil in den vergangenen Jahren angekurbelt.

[caption id="attachment_3841" align="alignleft" width="240"]Georg Folian (c) warimpex Georg Folian
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Selbstbewusste Präsentation

Eine Messe alleine macht noch keinen guten Wirtschaftsstandort aus, aber unsere deutschen Nachbarn wissen ihren Standortvorteil in München zu nutzen und präsentieren sich entsprechend selbstbewusst. Schon im Vorfeld der Messe war klar, dass die Expo wieder ein deutsches Heimspiel wird, denn mit Presseaussendungen bewarben die Städte und Regionen nicht nur ihre Vorteile und den Messe-Stand, sondern auch ihre jeweiligen Veranstaltungen.

„Ich habe einen sehr guten Eindruck von der Messe und es herrscht eine positive Stimmung – vor allem für Deutschland“,

so Georg Folian, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der WARIMPEX. Die deutsche Wirtschaft ist für europäische Verhältnisse mehr als stabil, und die aktuelle wirtschaftliche Lage haben sich die Deutschen wohl sehr genau angeschaut, und geahnt, was da in Form von Investitionen auf sie zukommen wird, denn „die Märkte sind vom billigen Geld getrieben“, wie Georg Formanek, Geschäftsführer von Derfler Helbich Formanek, meint. Daher war eine gute Präsentation der eigenen Stärken in den vergangenen Jahren jetzt von Erfolg gekrönt.

Rekorde in fast allen Segmenten

Kaum ein Immobiliensegment in Deutschland, das nicht heuer seinen Rekord bricht. Nach Zahlen von JLL summierten sich die Transaktionen von Juli bis September bereits auf 8,6 Milliarden Euro, sodass für die ersten neun Monate 25,5 Milliarden Euro und damit ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum zusammenkam. Die Messe scheint für ausländische Investoren mittlerweile ein echter Magnet zu sein. „Die EXPO REAL hat sich im Vergleich zum letzten Jahr insbesondere durch die Präsenz vieler ausländischer Investoren in ihrer Attraktivität gesteigert. Sie hat sich erneut als bedeutendster Treffpunkt von etablierten wie ‚neuen‘ Investoren bestätigt“, so Ulf Buhlemann, Leiter Investitionen Deutschland bei Colliers International.

Die Umsatzzahlen in den deutschen Städten innerhalb dieses Jahres scheinen seine Aussage zu bestätigen. Mit einem Plus von 38 Prozent erlebten Stuttgart und Hamburg den größten Zuwachs. Die Stände der beiden Städte waren auch prominent platziert und entsprechend groß. Danach folgte bereits München mit einem Plus von 34 Prozent.

Von A- und B-Standorten

Aber nicht nur die großen Städte und Metropolregionen waren aus Deutschland vertreten, sondern auch die B-Standorte, in die von Seiten der Investoren immer mehr Geld fließt. So ist zum Beispiel die Expo Real seit zwölf Jahren ein Pflichttermin für die Bremer Immobilienwirtschaft.

„Nirgendwo sonst können wir in kurzer Zeit so intensiv und umfassend mit Investoren und Entwicklern über die Immobilienkompetenzen und Investitionsmöglichkeiten in Bremen und Bremerhaven ins Gespräch kommen“, betont Martin Günthner, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen der Freien Hansestadt Bremen.

Bremen behauptet seinen Spitzenplatz unter den deutschen B-Städten. Lag das gesamte Transaktionsvolumen im vergangenen Jahr bei 237 Millionen Euro, lag die Stadt bis Mitte November bei einem Rekordwert von knappen 400 Millionen Euro. Das Bundesland Bremen ist einer der größten Logistikstandorte Deutschlands und einer der entscheidenden Knotenpunkte für den internationalen Warentransport. Allein in Bremen-Stadt sind über 25.000 Beschäftige und mehr als 1.000 Unternehmen dem Bereich Logistik zuzuordnen.

Für die österreichischen Beteiligten, die sich auch auf den deutschen Märkten tummeln, war der Besuch ohnehin ein Muss. Ein heimisches Unternehmen war das erste Mal auf der Messe und dann gleich mit einem beeindruckenden Stand. Für Christoph Stadlhuber, Geschäftsführer der SIGNA, eine klare Sache: „Da wir in Deutschland so präsent sind, ist es wichtig, einen eigenen Stand in entsprechender Größe und guter Lage zu haben. Es läuft bestens für uns.“

Aus einem anderen Grund, war auch JP Immobilien zum ersten Mal als Aussteller vertreten – es ging auch um Präsenz, allerdings um eine etwas andere, wie Geschäftsführer Martin Müller

[caption id="attachment_3843" align="alignright" width="300"]Martin Müller (c) JP Immobilien Martin Müller
(c) JP Immobilien[/caption]

erklärte: „Wir verkaufen hier keine Häuser und werden auch keine Büros vermieten. Wir sind aus einem anderen Grund hier: Wegen unserer Immobilieninvestmentprodukte – hauptsächlich die indirekten. Es hat sich bei unseren zwei Immobilienanleihen herausgestellt, dass viele unserer Zeichner aus Deutschland kommen. Wir haben bei unseren Anleihen – unerwarteterweise – auch einige deutsche Großinvestoren und deswegen haben wir gesagt, wir gehören auf die Messe.“

Die Architekten kommen

Auch andere deutsche Berufssparten wussten die Messe zu nutzen. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) trat auf einem großen Gemeinschaftsstand mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf unter dem Motto „Sus-tainability – Made in Germany“. Auf dem Stand gab es ein umfangreiches Vortrags- und Diskussionsprogramm, Einzelprojekte wurden vorgestellt, Grundsatzfragen erörtert und Podiumsdiskussionen zum Standmotto „Sustainability – Made in Germany“ veranstaltet.

„Deutsche Architekten stehen für Nachhaltigkeit beim Bauen, schaffen die planerischen Grundlagen und sorgen für materiellen wie baukulturellen Mehrwert der Gebäude. Und dies im In- wie im Ausland“, erläuterte die Präsidentin der BAK, Barbara Ettinger-Brinckmann: „Ohne Architekten geht auch in der Immobilienwirtschaft nichts.“