Moderner Wohnraum fehlt

Wien mit Studentenheimen unterversorgt

Erster Student Housing Marktbericht von Otto Immobilien: Unterbringungsquote von nur 9 Prozent

Wien ist die größte deutschsprachige Studierendenstadt der Welt, das Angebot an studentischem Wohnraum ist allerdings knapp: Den rund 200.000 Studenten (WS 2017/18) stehen nur rund 19.500 Studierendenheimplätze zur Verfügung. Das entspricht einer Unterbringungsquote von lediglich 9% und rückt Wien im Vergleich zu anderen europäischen Städten damit in den unteren Bereich. Dies geht aus dem heute erschienenen Student Housing Marktbericht von Otto Immobilien hervor, der erstmals umfassend die Situation am Wiener Wohnungsmarkt für Studenten untersucht. „Derzeit fehlt hochwertiger und moderner studentischer Wohnraum, im internationalen Vergleich gibt es starken Nachholbedarf“, kommentiert Christoph Lukaschek, Leiter Investment bei Otto Immobilien die Untersuchungsergebnisse.

Von den aktuell rund 19.500 Studierendenheimplätzen wird der überwiegende Teil, nämlich derzeit 81%, von nicht-kommerziellen Institutionen wie religiösen, gemeinnützigen, universitätsnahen Organisationen etc. angeboten. Lediglich 19% der Plätze in Wiener Studentenheimen kommen von privaten Anbietern, deren Angebot zumeist moderner und besser ausgestattet ist.

Mietpreise in Studentenheimen: Von 235 Euro bis 1.300 Euro pro Monat

Je nach Ausstattung und Lage ergeben sich daher laut Student Housing Marktbericht folgende Unterschiede in den Mietpreisen:

Bei den nicht-kommerziellen Heimen ist die Kategorie Einzelzimmer, die aus einem Schlafzimmer besteht (Bad und Küche werden mit anderen Studierenden geteilt) die dominierende Form. Die Preise bewegen sich hier zwischen 235 Euro pro Monat und 495 Euro pro Monat mit einem Durchschnittswertvon 351 Euro pro Monat.

Bei den privaten Heimen wird nur der Typ Einzelstudio angeboten. Dieser besteht aus einem Schlafzimmer, einem privaten Bad und einer Küche mit Essecke. Das Preisniveau bewegt sich hier zwischen 684 und 784 EUR/Monat, wobei es auch Kategorien mit größeren Einheiten gibt, die bis zu 1.299 Euro pro Monat kosten.

Neubau: 2.900 private Heimplätze bis 2021 – Markteintritt von US-Anbieter Greystar

Die Assetklasse Student Housing ist seit einigen Jahren nicht nur in Österreich, sondern auch europaweit bei Investoren stark nachgefragt. Während 2017 das Transaktionsvolumen rund 325 Mio. Euro betrug, war dieser Wert 2018 mit rund 136 Mio. Euro freilich deutlich geringer. Dies liegt daran, dass 2017 bereits viele Studentenwohnheime im Zuge von Forward Deals veräußert wurden. Aktuell in der Neubau-Pipeline befinden sich ausschließliche private Heime - konkret 2.900 Plätze bis 2021, wobei neue internationale Betreiber wie Greystar zuletzt auf den Markt kamen. Greystar, einer der weltweit führenden Anbieter mit Sitz im US-Staat South Carolina, hat kürzlich durch Beratung von Otto Immobilien/Knight Frank mit dem DCIII und über 800 Zimmern die größte Transaktion des Jahres in diesem Segment durchgeführt.

Befragung: Deshalb ist Wien bei Studenten so beliebt

Im europäischen Vergleich punktet Wien nicht nur mit der anerkannt hohen Lebensqualität, sondern vor allem auch aufgrund des umfassenden Studienangebots, der geringen Studiengebühren und der langen Tradition als Universitätsstadt. Laura Goldschmidt MA, Investment Otto Immobilien, hat für ihre Masterthese 412 Studierende (nationale und international) befragt und die Ergebnisse dem Student Housing Marktbericht zur Verfügung gestellt. Demnach ist für knapp 30% der Befragten das Studienangebot in Wien ein ausschlaggebender Faktor gewesen, Wien als Studienstandort zu wählen. Für rund 25% ist die Lebensqualität das Auswahlkriterium gewesen, gefolgt von rund 22 Prozent der Studierenden, die Wien aufgrund der Familie und Freunden ausgewählt haben. Weitere Kriterien waren das Arbeitsangebot neben dem Studium, die Studiengebühren, Wohnkosten und der nicht vorhandene Numerus Clausus in Österreich.

Weitere interessante Ergebnisse der Studie von Otto Immobilien:

- Rund 30 % der Studierenden in Wien sind international, wobei Deutschland mit 16.000 Studierenden die größte Gruppe der aus dem Ausland stammenden Studenten stellt. Bei 34.000 Studierenden aus den EU-Staaten stammt somit fast jeder zweite EU-Bürger, der in Wien studiert, aus Deutschland.

- Der Frauenanteil liegt im Studienjahr 2018 klar über dem der Männer. In etwa 12.000 mehr weibliche als männliche Studierende haben zurzeit an Hochschulen in der Bundeshauptstadt inskribiert. In relativen Zahlen sind dies knapp 53 Prozent.

- Den größten Anteil an Studierenden nehmen die öffentlichen Universitäten ein. Mit etwa 173.000 Studierenden kommen diese auf 89 Prozent. An zweiter Stelle folgen die Fachhochschulen, in denen 2018 15.330 Studierende (8 Prozent) inskribiert waren. Den dritten Platz belegen die privaten Universitäten, die in diesem Jahr von etwa 6.000 Studierenden (3 Prozent) besucht wurden.