Vision wird Realität

2013 wurde in Hörsching der LT1 – das zukunftsweisende Logistikgebäude der Firma Schachinger – als Zentrallager für METRO Österreich eröffnet. Das Mammutprojekt mit täglichem Warenumschlag von mehreren hundert Tonnen ist ein Meilenstein in Sachen „Logistik trifft Ökologie“.

Du brauchst nur den passenden Bauherrn, um Visionen zum Leben zu erwecken!“ Die Begeisterung ist förmlich spürbar, wenn Andreas Prehal, POPPE*PREHAL Architekten, vom Leuchtturm1, erzählt. Es klingt fast unglaublich, was auf dem Gelände der Schachinger Logistik in Hörsching in knapp einem Jahr realisiert wurde. Das i-Tüpfelchen bei diesem Projekt ist die Gestaltung der Fassade in Barcode-Optik, denn ohne Barcode geht in der Logistik gar nichts. Und innen? Mit den strahlenden Farbakzenten versprüht das Bauwerk innen viel eher gemütliche Wohnzimmeratmosphäre als krimi-affine Lagerhausdüsternis.

Klares Bekenntnis zur Ökologie

Der Bauherr Max Schachinger, Logistik Manager des Jahres 2012, hat sich dem klaren Bekenntnis zur Nachhaltigkeit verschrieben und lebt dies mit Haut und Haar. Seine Idee war es, ein zukunftsweisendes Logistikgebäude mit noch nie dagewesener Konsequenz in den Bereichen Bauökologie und Energieeffizienz zu errichten. „Niedrige Betriebskosten bis zum Nutzungsende waren ein ganz wesentlich bestimmendes Element bei Planung und Bau der neuen Anlage“, so der Bauherr Schachinger. „Wir sind überzeugt, dass Nachhaltigkeit bei den Handelskunden immer mehr zum Thema wird und unsere Öko-Hallen uns Vorteile bringen.“

Logistik meets Ökologie

Holz in jeder Dimension, von der Konstruktion bis hin zur Fassade, darüber hinaus die Verwendung weitgehend ökologischer Baumaterialien. „Herausfordernd war neben der Holzfassade, die wir – damit es spannend blieb – nur einen Tag vor der Bauverhandlung noch mit den feuerpolizeilichen Bestimmungen unter einen Hut bringen konnten, vor allem die Energieversorgung“, so Prehal. In der Halle herrschen das ganze Jahr über 14 bis 18 Grad Celsius und 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit. Grundsätzlich ist die Notwendigkeit, das Gebäude zu kühlen, doppelt so hoch, wie die Notwendigkeit zu heizen. Um das möglichst ressourcenschonend zu erreichen, ergriff man eine Reihe von Maßnahmen: Die 14 Laderampen wurden wärmebrückenoptimiert ausgeführt und werden über das Mess-, Steuer- und Regelungstechnik-System automatisch angesteuert, um die Energieverluste beim Ladevorgang möglichst gering zu halten. Die Kühlung des Gebäudes erfolgt einerseits durch Ausschöpfung der natürlichen Lüftung und andererseits durch Kältebereitstellung aus dem Grundwasser mittels Wärmepumpenbetrieb (ca. 70 Prozent) und Free-Cooling-Schaltung (ca. 30 Prozent).

Die Heizwärme wird durch die Verwendung der Wärmepumpe erzeugt und im Bürotrakt über die Unterflurkonvektoren, im Lagerbereich mittels Umluftheizgeräten an die Raumluft abgegeben. Die Rückgewinnung von Wärme und Feuchte erfolgt über Rotationswärmetauscher. Beleuchtet wird die neue Halle mittels LED-Technologie. Gegenüber dem im Jahr 2008 im konventionellen Baustil realisierten Gebäude in Stockerau, das (umgelegt auf die Fläche von LT1) 931 MWh Strom und 265 MWh Gas verbraucht, kann die Logistikhalle in Hörsching mit einem Stromverbrauch von 510 MWh und dem völligen Verzicht auf die Energiequelle Gas mit einer Energieeinsparung von knapp 60 Prozent überzeugen. So werden rund 400 Tonnen CO2 gespart.

Multi-User-Konzept

Max Schachinger: „Mit dem LT1 zeigen wir, dass innovativer, lebenszyklusorientierter und nachhaltiger Holzbau auch im harten Wettbewerb der Logistik Einzug hält. Mit den besten Materialien und verschränktem ‚Multi-User-Konzept‘ haben wir in Rekordzeit ökonomische und ökologische Bestwerte im Hallenbau geschaffen. Durch die feine Hand des Architekten haben wir zusätzlich eine erstaunlich hohe Arbeitsqualität geschenkt bekommen.“

Scharfe Rechnung

Stellt sich natürlich die Frage, ob der Fokus auf Energieeffizienz und ökologische Bauweise nicht zu Lasten hoher Investitionskosten geht. „Unser Leuchtturmprojekt ist aber nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch optimiert“, betont Schachinger. Neun Millionen Euro habe die 11.000 Quadratmeter Nutzfläche umfassende Halle gekostet. Vergleichsdaten bietet eine vor fünf Jahren gebaute ähnliche Halle in Stockerau in konventioneller Bauweise. „Rechnet man die damaligen Baukosten hoch, entstehen bei der Halle in Hörsching Mehrkosten von drei bis fünf Prozent, die sich durch niedrigere Betriebskosten innerhalb weniger Jahre einspielen lassen.“