International Deutsche Adler Group stößt Wohnungen für 1,5 Mrd. Euro ab

Der unter Druck stehende deutsche Immobilien-Investor Adler Group beginnt mit dem großangelegten Verkauf von Wohnungen. 15.350 Wohnungen und 185 Gewerbeobjekte in Norddeutschland im Wert von knapp 1,5 Milliarden Euro sollen an den Konkurrenten LEG Immobilien verkauft werden. Das ist mehr als jede fünfte Wohnung im Bestand von Adler.

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Dem Investor fließen daraus unter dem Strich - nach der Tilgung besicherter Darlehen - rund 800 Mio. Euro zu, die zum Schuldenabbau verwendet werden sollen. Für die hochverschuldete Adler Group ist der Verkauf aber nur ein erster Schritt. "Wir wollen unsere Entschuldung mit weiteren Asset-Verkäufen vorantreiben", sagte Co-Vorstandschef Maximilian Rienecker der Nachrichtenagentur Reuters. 

Er hatte in der vergangenen Woche von 40.000 bis 60.000 Wohnungen gesprochen, an denen Investoren Interesse angemeldet hätten und die Adler abgeben könnte. Dem Unternehmen gehören rund 70.000 Einheiten mit Schwerpunkten in Berlin und Norddeutschland. 

Das Paket, das nun an die LEG gehen soll, umfasst Wohnungen mit relativ niedrigen Mieten, die größtenteils den Tochterfirmen Adler Real Estate und Westgrund gehören. Sie liegen in Städten wie Göttingen, Wilhelmshaven und Wolfsburg. Adler behält aus steuerlichen Gründen 10,1 Prozent der Anteile an den Wohnungsgesellschaften. "Der Verkauf kann zu einer erheblichen Verringerung des Verschuldungsgrades der Adler Group durch Rückzahlung von Anleihen und Darlehen führen", hieß es in der Mitteilung. Ziel ist eine Verschuldungsquote von deutlich unter 50 Prozent. 

Die Adler Group steht doppelt unter Druck: Zum einen fordern Investoren eine Entschuldung. Zum anderen erhebt der britische Leerverkäufer Fraser Perring Vorwürfe gegen das Unternehmen, die den Kurs der Adler-Aktie zuletzt ins Rutschen gebracht haben. Der Branchenriese Vonovia hat die Krise genutzt und sich eine Option zum Kauf von 13,3 Prozent an Adler gesichert. Das entspricht der Hälfte der Beteiligung des luxemburgischen Adler-Großaktionärs Aggregate Holdings, hinter dem wiederum der österreichische Investor Günther Walcher steht. 

Der Teilverkauf an die LEG mache einen Einstieg für Vonovia nicht weniger attraktiv, hieß es in Branchenkreisen. Adler selbst verwies darauf, dass das verbleibende Wohnungsportfolio nun stärker auf die sieben wichtigsten Städte in Deutschland konzentriert sei. Die Aktie der Adler Group, die seit Tagen eine Berg- und Talfahrt erlebt, kam am Montag erneut unter Druck und gab 2,8 Prozent auf 11,66 Euro nach.

 (APA/Reuters)

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