Investment International RBI prüft weiterhin Ausstieg aus Russland

Laut Quartalsbericht der Raiffeisen Bank International (RBI) würden - weiterhin - alle strategischen Optionen für die Zukunft der Raiffeisenbank Russland bis hin zu einem sorgfältig gesteuerten Ausstieg aus dieser Tochterbank geprüft. Im Vorjahr hat die russische Tochterbank etwa ein Drittel zum Konzerngewinn von 1,4 Milliarden Euro beigetragen.

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RBI prüft weiterhin Ausstieg aus Russland

Die börsennotierte Raiffeisen Bank International (RBI) ist mit einem Gewinnanstieg ins neue Jahr gestartet. Der Nettogewinn lag bis März mit 442 Millionen Euro höher als im vierten Quartal 2021 mit 317 Millionen Euro und doppelt so hoch wie Anfang 2021 mit damals 216 Millionen Euro. Getrieben wurde der Anstieg des Konzernergebnisses durch Zuwächse beim Zins- und beim Provisionsüberschuss sowie dem Handelsergebnis.

Der Zinsüberschuss legte auf 986 Millionen Euro zu, ein Prozent über dem Vorquartal und rund 250 Millionen Euro mehr als vor Jahresfrist. Unterstützt wurde dies durch volumsbedingte Zuwächse und die Zinsanstiege in Russland und der Ukraine. Der Provisionsüberschuss war mit 683 Millionen Euro ebenfalls deutlich höher, hier wirkte nach Angaben von Mittwoch neben dem Volumen die vom russischen Staat angeordnete Zwangskonvertierung von Devisen in russische Rubel. Das Handelsergebnis von diesmal 184 Millionen Euro (nach 24 Mio. Ende in Q4 bzw. 4 Mio. in Q1) resultierte aus Fremdwährungspositionen gegenüber dem Rubel und der Entwicklung des eigenen Credit-Spread im Bereich des Zertifikatgeschäfts.

Dem stand mit 319 Millionen Euro eine Vervierfachung der Risikovorsorgen (Wertminderungen auf finanzielle Vermögenswerte) gegenüber, die mit 316 Millionen Euro fast zur Gänze auf Osteuropa entfielen. Im Vorjahresvergleich waren sie mit 76 Mio. noch sehr moderat ausgefallen. In Russland erhöhte die RBI die Wertberichtigungen um 209 Millionen Euro, in der Ukraine wurden 92 Millionen Vorsorgen getroffen, in Weißrussland waren es 14 Millionen Euro.

Andererseits kamen trotz der erschwerten Bedingungen durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine von den 442 Millionen Euro Konzernergebnis 96 Millionen Euro Gewinnbeitrag aus Russland und 23 Millionen aus Weißrussland; in der Ukraine dagegen fielen 41 Millionen Euro Verlust an. In Summe steuerte die aus diesen drei Ländern bestehende RBI-Region Osteuropa somit 78 Millionen oder rund ein Sechstel zum Nettoergebnis bei.

In Russland hatte die RBI per Ende März rund 2,3 Milliarden Euro an Eigenkapital stecken (Kern- und Hybridkapital), wobei der Rückgang um rund 100 Millionen Euro seit Ultimo 2021 aus Währungseffekten resultiert. Das Eigenkapital im engeren Sinn ging von 2,074 Milliarden auf 1,927 Milliarden Euro zurück. In der Ukraine, wo die RBI nicht zu 100 Prozent, sondern nur zu 75 Prozent beteiligt ist, verringerte sich das Eigenkapital verlustbedingt von 320 auf 300 Millionen Euro.

Das Kundengeschäft in Russland und damit das Kreditgeschäft dort hat die RBI weiter verringert. Das Kreditvolumen in dem Land ging von 11,6 Mrd. Euro zu Jahresende 2021 auf 10,6 Mrd. Euro Ende März zurück, andererseits könnte sich der Betrag durch die mittlerweile erfolgte Rubel-Festigung wieder etwas erhöht haben. Einlagen, die von Kunden gebracht werden, müssen angenommen werden, wenn nicht rechtliche Hindernisse entgegenstehen. Das Geld wird entweder bei der Zentralbank hinterlegt oder als Euro oder Dollar an europäische Banken transferiert.

Die Harte Kernkapitalquote der gesamten RBI hat sich binnen Jahresfrist von 13,1 auf 12,3 Prozent verringert. Das spiegle den Anstieg der Risikogewichteten Aktiva (RWA) durch die Rating-Herabstufungen in Russland, der Ukraine und Belarus wider, heißt es im Quartalsbericht. Durch dieses Downgrading der Ratingagenturen hat die RBI um 13 Prozent mehr Kapitalbedarf, also von knapp einer Milliarde Euro zusätzlich. Umgekehrt gesagt: Ohne Russland hätte die RBI eine Kapitalquote von 13,3 Prozent und nur 346 Millionen statt 442 Millionen Euro Ergebnis im Quartal gehabt.

In der Ukraine versucht man aktuell, trotz der Kriegsereignisse den Bankbetrieb weiter aufrecht zu erhalten.

Die Verwaltungsaufwendungen der RBI insgesamt stiegen im Jahresabstand auf 792 Millionen Euro, lagen aber unter dem vierten Quartal. Das Betriebsergebnis war mit 1,089 Milliarden Euro deutlich höher als im Vorquartal (763 Mio.) bzw. zu Jahresanfang 2021 (543 Mio.). Staatliche Pflichtabgaben schlugen sich mit 159 Millionen Euro etwas stärker nieder, weil sich diese am - gestiegenen - Bruttoertrag bemessen. Das Vorsteuerergebnis war mit 508 Millionen Euro um 100 Millionen Euro höher als im vierten bzw. um 200 Millionen Euro höher als im ersten Quartal 2021.

Den Ausblick für 2022 hat die RBI wegen eines geringeren Kreditwachstums und höherer Risikokosten gesenkt. Erwartet wird nun ein stabiles Kreditvolumen mit einem Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Der Zinsüberschuss dürfte im oberen und der Provisionsüberschuss im mittleren einstelligen Prozentbereich zunehmen, heißt es.

Die RBI-Aktien gaben am Dienstag bis 10.25 Uhr um 3,9 Prozent auf 11,22 Euro nach. Der ATX verlor bis dahin 0,92 Prozent. (apa/red)

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