Vernetzte Konzepte bei Smarthomes immer mehr gefragt

Norbert Ahammer, Geschäftsführer von Siblik im Interview über aktuelle Entwicklungen bei Smarthomes.

17.12.2020 | Donnerstag vor einem Monat von Lisa Grüner
Vernetzte Konzepte bei Smarthomes immer mehr gefragt Foto: Siblik

Vernetzte Konzepte bei Smarthomes immer mehr gefragt

Welche Trends in Bereich Smart Home gibt es? 

Für mich gibt es einen eindeutigen Trend Richtung Smart Home – auch durch Corona wurde noch deutlicher, dass der Wohnraum, die eigenen vier Wände wichtiger werden. Und da spielen natürlich Sicherheit, Komfort, altersgerechtes Wohnen, Schutz der Umwelt und Kostenbewusstsein eine große Rolle. Der Trend geht eindeutig zu BUS-Systemen, die miteinander kommunizieren können und austauschbar sind. Unser KNX-System bringt mehr als 500 Hersteller unter einen Hut, die mehr als 8.000 passende Produkte im Sortiment haben. Mit dem KNX-System können vernetzte Gebäudeautomationskonzepte umgesetzt – und, was noch wichtiger ist – aufgerüstet und auch ausgetauscht werden. Sie sind also nicht herstellergebunden. Das Wachstum der Zukunft passiert meiner Meinung nach bei den BUS-Systemen. 

Wohnen im Alter, AAL (Ambient Assisted Living), ist ebenso ein Trend? 

Wohnen im Alter ist ein Riesen-Thema. Wir wollen so lange wie nur möglich in unseren vier Wänden bleiben, da fühlen wir uns wohl und sicher. Bei AAL geht es darum, das Wohnen im Alter noch sicherer und bequemer zu gestalten und so Angehörige, aber auch Pflegepersonen zu entlasten. Dafür haben wir den 24-Stunden-Service-Assistenten entwickelt. Wir nennen ihn liebevoll TONI.

Produkte sollen an die jeweiligen Lebensumstände und Routinen der Bewohner angepasst werden können. 

Was kann ein 24-Stunden-Service-Assistent leisten? 

Unser TONI unterstützt ältere oder hilfsbedürftige Menschen, im Eigenheim weiterhin ein selbstbestimmtes Leben zu führen und den Angehörigen oder Pflegepersonen die Sorgen um deren Sicherheit zu nehmen. Einer unserer Mitarbeiter hat bei der ehrenamtlichen Tätigkeit mit älteren Menschen die Notwendigkeit erkannt, Digitalisierung und Technik für diese Zielgruppe weiterzuentwickeln.   

Die Produkte sind an und für sich nicht neu, die Idee der Verknüpfung ist aber umso spektakulärer. Bisher war es mit dem KNX-System möglich, die Elektroinstallationstechnik zu bedienen sowie Klima, Lüftung, Heizung und Haushaltsgeräte in die Automatisierung einzubinden. Was fehlte, war eine Unterstützung, die es ermöglichte, definierte Logiken zu erkennen und Informationen zu verteilen. Diese Logiken wurden von unseren Spezialisten entwickelt und konfiguriert. Wir bieten kostenlose Download-Pakete mit definierten Szenarien an. Diese können an die jeweiligen Lebensumstände und Routinen der Bewohner angepasst werden. 

Was kann so ein 24-Stunden-Service-Assistent dann ganz konkret? 

TONI wertet die von Wandmeldern erfassten Bewegungsmuster aus und meldet Unstimmigkeiten, Veränderungen oder fehlende Bewegungen. Zusätzliche Sicherheit bieten spezielle Bodentrittmatten oder Matratzenunterlagen, die das Schlafverhalten registrieren. Um ein Beispiel zu geben: Stürzt der Bewohner und es wird längere Zeit keine Bewegung in der Wohnung registriert, meldet TONI das den Bezugspersonen, die Hilfe rufen können. Auch die direkte Kontaktaufnahme zum Pflegedienst ist jederzeit möglich. 

Die Energiewende ist mancherorts noch immer nicht mehr als ein Lippenbekenntnis.

Ein Smart Home wird ja auch oft mit einer Photovoltaik-Anlage betrieben. Es gibt zusätzliche Förderungen, der Trend geht stark in Richtung „grüne“ Energie. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein? 

Ich denke, dass dieser Trend andauern wird. Aber leider ist die Energiewende mancherorts noch immer nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Wir haben mit der Gemeinde Perchtoldsdorf (NÖ) ein Projekt gestartet, das für die Zukunft in ganz Österreich umsetzbar sein und eine Vorbildwirkung haben wird. Dort haben wir mit einem örtlichen Installateurbetrieb Mörth, einer Bank und der Gemeinde ein Konzept entwickelt, das zum Ziel hat, 150.000 Quadratmeter südseitig ausgerichtete Dachflächen mit PV Anlagen zu bestücken. Wir werden individuell beraten. Die PV-Anlage sollte leistbar sein, die Installation einfach und bequem erfolgen und wird sich langfristig natürlich auf das Geldbörsel auswirken. Dieses Projekt sollte auch Vorbild für andere Elektrounternehmen und Gemeinden in ganz Österreich werden, gemeinsam mit uns solche Pakete anzubieten. Perchtoldsdorf soll die erste klimaneutrale, emissionsarme und energieautarke Gemeinde werden.

Wie kooperieren Sie mit Bauträgern und Architekten? 

Für Bauträger und Architekten sind wir ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um technische Fragen und Möglichkeiten für die Umsetzung von Smart Home-Konzepten geht. Wir können ihnen da wertvollen Input geben, da sie auch ihre Quadratmeterpreise rechtfertigen müssen. Wir haben beim Vertrieb sehr stark in projektbezogene Pakete investiert. Architekten wiederum nehmen gerne unsere Expertise in der Elektrotechnik in Anspruch. Denn auch der Konsument hat bei der Planung Ansprüche wie z.B. die Montage einer PV-Anlage auf dem Dach. Da können wir den Mehrwert aufzeigen und den Architekten auch bei der Argumentation unterstützen.

Bieten Sie auch Fachseminare für diese Zielgruppen an? 

Sowohl für Elektroinstallateure als auch Bauträger und Architekten bieten wir Fachseminare und Vorträge an, um das sich ständig verändernde Fachwissen zu vermitteln. Auch unsere Online Schulungs-Box wird dazu sehr viel genutzt. Wir sind außerdem im Fachhochschulbereich sehr aktiv und bieten unsere Expertise an. Denn Smart Home wird auch für junge Menschen immer interessanter und wichtiger.