Büro der Zukunft

Aus Großraum wird flexibles Multi-Space

Auch wenn in Zeiten von Covid-19, Home-Office und Mindestabstand aktuell viele Großraumbüros ausgedünnt sind, sehen Experten die Büroform weiter auf dem Vormarsch.

23.03.2020 | Montag vor 4 Monaten von Michael Neubauer
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Büro der Zukunft

Aus Großraum wird flexibles Multi-Space

 „Die hohe Nachfrage nach Videokonferenzen verdeutlicht, dass gemeinsame Kommunikation und der Austausch im interdisziplinären Team im 21. Jahrhundert den Hebel für Wertschöpfung darstellen. Großraumbüros bilden aber nicht nur die Drehscheibe für Wissen und Kreativität – was teilweise auch virtuell umsetzbar wäre. Zukunftsorientierte Bürokonzepte passen sich als Multi-Space-Lösungen flexibel an agile Arbeitsformen und sich verändernde Tätigkeiten an. Sie fördern als Möglichkeitsraum stets neue Prozesse, Erkenntnisse und Ergebnisse, indem der Raum selbst zum Medium für Möglichkeiten wird“, erklärt Timo Brehme, Gründer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens CSMM, das deutschlandweit Bürokonzepte umsetzt und zu den führenden Anbietern am Markt zählt.
„Die aktuelle Situation wird den Wandel in der Bürolandschaft weiter beschleunigen. Nach der Corona-Krise wird der Blick auf die Bürowelt ein anderer sein“, ist sich Brehme sicher. Die Zukunft liege nicht in der Heimarbeit, sondern wie bereits vor der Krise im steten Wechsel zwischen Arbeitsumgebungen. „Die Forschung zeigt, dass unterschiedliche Lern- und Arbeitsorte stimulierend auf das Gehirn und damit die Leistung wirken. Agile Unternehmen und Mitarbeiter nutzen dies, indem sie bestimmte Tätigkeiten an verschiedenen Orten vornehmen“, erklärt Brehme.

Dafür muss das Büro verschiedene Arbeitsplatzszenarien anbieten. Es muss als Möglichkeitsraum neu gedacht und konzipiert werden. Ein Großraumbüro ist mehr als ein großer Raum, in dem Schreibtische und Mitarbeiter ohne Grenzen nebeneinander arbeiten. Richtig geplant ermöglicht es einerseits fokussiertes Arbeiten, andererseits ein kommunikatives Miteinander für bestimmte Tätigkeiten. Dafür braucht es spezielle Flächen, um sich zu treffen und zu sprechen wie auch um nachzudenken und sich zu konzentrieren. Der Architekt und Experte warnt davor, das Heil in einer Büroform allein zu suchen.

Hingegen zeigt sich derzeit in der Praxis ein differenzierteres Bild.

Die Corona-Pandemie hat die Büroimmobilienmärkte der Metropole Ruhr erreicht und die Nachfrage massiv verändert. Standen im Zuge der New-Work-Welle immer häufiger Open-Space-Lösungen im Fokus der Mietinteressenten, so findet nun eine 180-Grad-Wende statt. Das Zellenbüro erlebt eine Renaissance, weil es als einzige Grundrissform, die durch den Corona-Virus notwendig gewordene Distanz zwischen den Mitarbeitenden sicherstellt.

„Co-Working und Großraum sind out. Büromieter wollen jetzt schnell zurück in die Zelle, nach dem Motto: Only my own office is my castle“, sagt Christian Hansmann, Geschäftsführer des Essener Gewerbemaklerunternehmens RUHR REAL.
„Bei uns laufen die Telefone heiß, weil die Firmen ad hoc Veränderungen ihrer Raumsituation wünschen. Bestehende Open-Space-Lösungen sollen zurückgebaut und stattdessen Einzelbüros etabliert werden“, so Hansmann weiter.

Auch würden spontan Übergangsflächen für Teilbelegschaften mit bis zu 50 Personen gesucht, um diese aus zu eng sitzenden Teams herauszulösen. Das Angebot an solchen Raumressourcen sei derzeit aber nicht groß genug. Flexible und leicht umbaubare Flächen seien daher ganz klar die Gewinner in der Krise. 

 Und noch eine Beobachtung machen die Gewerbeflächenexperten von RUHR REAL: Die ohnehin schon gute Nachfrage nach Logistikflächen in der Metropole Ruhr nimmt bedingt durch das höhere Bestellaufkommen im Onlinehandel merklich zu.