Österreichs Einkaufsstraßen und Einkaufszentren bekommen ein neues Gesicht

Laut EHL-Geschäftsflächenbericht für Wien wird der Branchenmix der Zukunft weniger aus Mode, Schuhe und Elektonik bestehen, dafür aber aus Lebensmittel, Gastronomie und Dienstleistung. Zudem verstärkt die herausfordernde Situation im Handel die Konzentration auf Toplagen.

15.10.2020 | Donnerstag vor 13 Tagen von Amelie Miller
Österreichs Einkaufsstraßen und Einkaufszentren bekommen ein neues Gesicht Foto: URW

Österreichs Einkaufsstraßen und Einkaufszentren bekommen ein neues Gesicht

Eine zentrale Aussage des heute veröffentlichten Geschäftsflächenberichts Herbst 2020 des Immobiliendienstleisters EHL Immobilien ist, dass sich insbesondere der Branchenmix in den Einkaufsstraßen und Einkaufszentren radikal verändern wird. Die prägenden Bereiche der Vergangenheit wie insbesondere Mode, Schuhe und Elektro/Elektronik nehmen in bedeutendem Ausmaß Ausdünnungen ihrer Filialnetze vor, während freiwerdende Flächen vom Lebensmittelhandel, Diskontern, Gastronomie und Dienstleistern (z.B. aus dem Gesundheitsbereich) absorbiert werden.

Der Einzelhandel unterliegt grundsätzlich immer einem gewissen Wandel, erklärt Mario Schwaiger, Leiter der Abteilung Retail der EHL Gewerbeimmobilien GmbH. Außergewöhnlich ist aber das Tempo und das Ausmaß des Wandels. Im Wesentlichen stellen wir fest, dass Corona kaum Entwicklungen auslöst, die es nicht auch ohne die Epidemie gegeben hätte, aber dass diese jetzt viel rascher und radikaler ablaufen als es sonst der Fall gewesen wäre.

Das gilt auch für die langfristig feststellbaren Tendenzen zur Konzentration auf die besten Lagen. Entscheidungen, freiwerdende Flächen an durchschnittlichen Standorten nicht wieder an Einzelhandelsunternehmen zu vermieten, sondern Umnutzungen z.B. für Wohn- oder Lagerzwecke anzustreben, werden unter dem Druck des schwierigen Umfelds viel konsequenter getroffen als es sonst der Fall wäre. Zudem werden aktuell auch in guten und sehr guten Lagen vermehrt Flächen frei. Dies öffnet neuen Interessenten derzeit ein „Window of Opportunity“, vielleicht schon längere Zeit geplante, aber bisher nicht mögliche Wechsel an Topstandorte vorzunehmen.

Die aktuelle Situation ist schwierig, aber nicht katastrophal. Sie zwingt zu Veränderungen, eröffnet aber auch Chancen, fasst Schwaiger zusammen. Erfolgreiche etablierte Einzelhändler und Newcomer, die innovative Konzepte umsetzen, haben jetzt gute Chancen, sich an ihren Wunschstandorten in Toplagen einzumieten und damit die Basis für ihren langfristigen Erfolg zu schaffen.

Aktuell schlagen sich die Ausdünnung von Filialnetzen, die Verkleinerung von Filialen an zahlreichen Standorten in Form steigender Leerstandsraten und teilwiese in Druck auf die Miethöhen bei Wiederund Neuvermietungen nieder.

Die Entwicklung ist aber je nach Standort und lokalen Gegebenheiten sehr unterschiedlich, so Schwaiger. Generell sehen wir, dass es seitens der Mieter und der Vermieter aber große Bereitschaft zu einvernehmlichen Lösungen gibt. In der Regel ist es für alle Seiten am sinnvollsten, für die aktuelle, durch Corona beeinträchtigte Periode eine Vereinbarung mit eher kurzer Laufzeit zu treffen, um die Vertragsbeziehungen danach wieder rasch und unkompliziert am Normalmodus orientieren zu können.