Positionen & Meinungen Das Kleben der anderen

Ein Kommentar von Frank Brün, Managing Partner bei Phorus Management und Gründungsvorsitzender der AREAMA - Austrian Real Estate Asset Management Association.

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Das Kleben der anderen

Eigentlich hatte ich diesen Winter vor, was anderes zu machen, mal so ein richtiges Zeichen zu setzen: so ohne heizen im kaltem Büro und bei sibirischen Temperaturen, klimaneutral die eigene Resilienz unter Beweis stellen. Der Klimawandel hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. In meinem Büro wurde es beim besten Willen nicht so richtig kalt. Danke an die brav heizenden Nachbarn im Gebäude einerseits und die milden Außentemperaturen andererseits. Ich konnte nicht mal meine Lieblingsausrede nutzen, ich müsse ins Caféhaus gehen, um mich aufzuwärmen. Ich ging trotzdem, denn zum Glück gibt es dort Melange, Eier im Glas und Schnittlauchbrot. Ist auch viel unterhaltsamer, dort Hof zu halten, erste Reihe fußfrei.

Kabarett frei Haus geliefert

Den Wahnsinn hat Albert Einstein definiert als: „immer das Gleiche zu tun und jedes Mal ein anderes Ergebnis zu erwarten“. Bevorzugt von anderen. Früher musste man für Kabarett und Comedy das Haus verlassen und Eintrittskarten kaufen. Heute bekommt man das fürs Steuergeld kostenlos frei Haus geliefert – als Gesetzesnovelle und Verordnung in den Newsstream und ins digitale Postfach. Wo gibt es das schon?

Das ist ausbaufähig: Aus aktuellem Anlass könnten wir als eigenen SNU – strategisch notwendiger Unsinn - coole Immobilien-Online-Games herausbringen. Zum Beispiel das Strategiespiel „Landesbauordnung 23“ oder viel besser noch: den Ego-Shooter „Bestellerprinzip 23“ in der Österreich-Edition. Da muss man verschlungene Wege finden, sich doch noch den einen oder anderen Euro vom Mieter holen zu können. Hat man erst einmal die Level „Besichtigungs- und Vertragserrichtungsgebühr“ hinter sich gebracht und den „Bonuspack Ablöse“ freigeschaltet, wird so richtig durchgestartet. Cooler Lifehack: wer bezahlt schafft an, keine Doppelberatung, weniger Angebot, intransparentes Selbstvermieten von Privaten. Am Ende verliert immer der Mieter.

Taschenrechner ersetzt Immobilienmakler

Die Digitalisierung schreitet bekanntlich immer schneller voran. Dabei hilft es, keinem Witz aus dem Weg zu gehen: Schon heute kann ein Großcomputer Juristen ersetzen, ein mittlerer Computer Schreibkräfte und ein Taschenrechner - nach Ansicht des Gesetzgebers und Mieterschützern – die Immobilienmakler. Denn mit dem Bestellerprinzip entfällt die traditionell liebgewonnene Mieterberatung, für die wiederum doch ein Großrechner nötig wäre.

Vielleicht sollten wir das alles von Chat-GPT createn lassen: es wird berichtet, dass die Machwerke des Bots von vielen Menschen nicht als von Maschinen geschriebene Texte erkannt werden. Entweder ist die KI tatsächlich besser oder die Menschheit einfach nur blöder geworden. Besser, ich verbringe den ganzen Tag im Bett, so John Lennon mäßig, mit meiner Yoko Ono und halte einen eigenen digital- und klebstofffreien Bed-in-Klima-Protest ab. Aber: außer der Katze ist da sonst keiner, weil niemand zum Schauen kommt - und Schnittlauchbrot gibt´s auch nicht!

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