Wohnen Eigentümer der Triiiple Wohntürme klagen Soravia-Konzern

Es herrscht Aufruhr im Prestigeprojekt des Soravia-Konzerns. Eine große Gruppe von Wohnungseigentümern der Wiener „Triiiple" Hochhäuser zieht gegen den Konzern mit einer Unterlassungsklage vor Gericht.

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Eigentümer der Triiiple Wohntürme klagen Soravia-Konzern

Der Vorwurf: Die Verträge, die der Bauträger - Mehrheitseigentümer ist der Soravia-Konzern - mit seiner konzerneigenen Betreibergesellschaft zur Wärme- und Kälteerzeugung der beiden Türme abgeschlossen hat und auf die Wohnungseigentümer überwälzen möchte, seien aufgrund zahlreicher nachteiliger Vertragsbestimmungen sowie überhöhter Konditionen ungültig und die Versorgung des benachbarten Austro Towers erfolge überdies rechtswidrig.

Ursprünglich war Fernwärme-Anschluss zugesagt

Zum Zeitpunkt des Abverkaufs der einzelnen Wohnungen - vor Errichtung der Wohntürme - sei ein Anschluss an das Wiener Fernwärmenetz vorgesehen und auch in zahlreichen Kaufverträgen so vereinbart worden.

Tatsächlich jedoch habe der Bauträger die zum Soravia-Konzern gehörige SEM Energie und Gebäudemanagement GmbH damit beauftragt, eine eigene Wärme- und Kälteversorgung mit einer Wärmepumpe zu errichten. Diese nutzt das Wasser des nahegelegenen Donaukanals. Dabei sei versucht worden, die Errichtungskosten über die Vertragslaufzeit von mindestens 20 Jahren auf die Wohnungseigentümer in Form von monatlichen, verbrauchsunabhängigen Grundkosten zu überwälzen.

Die Wärmepumpe selbst befindet sich im Keller des Turm 1 und somit auf Allgemeinflächen der Wohnungseigentümergemeinschaft. Mit den Wohnungskäufern sei diese einseitige Vertragsänderung nicht abgesprochen worden. Von der Errichtung des Kraftwerks sollen diese erst aus den Medien erfahren.

Kritisiert wird von den Wohnungseigentümern unter anderem der hohe Anschlusswert der beiden Wohntürme. Im Vergleich zu anderen Wohnhochhäusern in Wien seien die daraus resultierenden fixen, verbrauchsunabhängigen Grundkosten deutlich überhöht. Die Übermittlung der Heiz- und Kühllastberechnungen ist vom Bauträger bislang kommentarlos verweigert worden. Aufgrund einer nachteiligen Vertragsklausel können die Anschlusswerte – im Gegensatz zu einem Fernwärmevertrag – auch in der Zukunft nicht mehr reduziert werden.

Erhebliche Rechtsunsicherheit

Sorge bereite den Bewohnern auch die Rechtsunsicherheit dieser Energieversorgung. Die SEM Energie- und Gebäudemanagement GmbH hat das Flusskraftwerk nach seiner Fertigstellung an die neu gegründete SEM Anlagen GmbH übertragen, welche angeblich ausschließlich zum Betrieb dieser Heizanlage gegründet wurde und über kein weiteres Vermögen verfügen soll. Im Fall einer Insolvenz wäre die Wärme- und Kälteversorgung der Wohnungen somit nicht mehr gewährleistet.

Zudem verzichtete die, ebenfalls zum Soravia-Konzern gehörende, Hausverwaltung IMA Immobilien Management GmbH im Namen der Wohnungseigentümer auf die Pfandrechte an der Anlage, wobei der Geschäftsführer der Hausverwaltung zu diesem Zeitpunkt gleichzeitig auch Prokurist der SEM war. Anschließend wurde das Flusskraftwerk von der SEM an eine Bank verpfändet.

Die Wohnungseigentümer verlangen von der SEM nun für die Versorgungssicherheit eine Insolvenzversicherung oder Bankgarantie, bislang ohne Erfolg. Gegen die Hausverwaltung läuft mittlerweile ein Abberufungsverfahren wegen grober Pflichtverletzung.

Unterlassungsklage

Eine gütliche Einigung sei bislang mit dem Soravia-Konzern nicht möglich gewesen, weshalb eine Gruppe von 150 Wohnungseigentümern nun den Rechtsweg beschreitet. Vorerst erfolgt eine Unterlassungsklage durch zwei Wohnungseigentümer, mit der der SEM Anlagen GmbH die Versorgung des Austro Towers untersagt werden soll.

Sollte der Konzern weiter stur bleiben, soll zunächst die Unwirksamkeit der Verträge gerichtlich festgestellt und anschließend die Errichtung des vereinbarten Fernwärmeanschlusses durchgesetzt werden. 

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