Wirtschaft Fed-Vertreter versuchen Spekulation über rasche Zinswende einzufangen

Anleger seien mit ihren Erwartungen zu weit voraus - Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent zuletzt prolongiert

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Fed-Vertreter versuchen Spekulation über rasche Zinswende einzufangen

US-Währungshüter versuchen die an den Börsen eingekehrte Erwartung einer baldigen Zinssenkung zu dämpfen. Die Märkte seien bei der Frage, wann mit einer geldpolitischen Lockerung zu rechnen sei, "etwas voraus", sagte die Chefin des Fed-Bezirks Cleveland, Loretta Mester, am Montag der "Financial Times". Laut Mesters Kollegen Raphael Bostic aus Atlanta könnte die Fed "irgendwann im dritten Quartal" 2024 mit der Senkung der Leitzinsen beginnen.

Mester sehe keine rasche Normalisierung der Zinspolitik. Die nächste geldpolitische Phase sei nicht von der Frage geprägt, wann die Zinsen gesenkt werden sollten. Vielmehr gehe es zunächst darum, wie lange die Geldpolitik restriktiv bleiben müsse.

Die Erwartungen der Anleger mit Blick auf eine baldige Zinssenkung haben einen Höhenflug an den Börsen ausgelöst, den auch Mester und Bostic nicht stoppen konnten. Die Aussicht auf einen lockeren geldpolitischen Kurs im kommenden Jahr trieb den Dow-Jones-Index der Standardwerte nach der jüngsten Rekordjagd zu Wochenbeginn um bis zu 0,2 Prozent auf 37.385 Punkte - und damit auf einen frischen Höchststand.

Die US-Zentralbank hat auf ihrer letzten Sitzung im laufenden Jahr für 2024 Zinssenkungen avisiert. Im Mittel gehen die US-Währungshüter davon aus, dass der Leitzins nächstes Jahr um 0,75 Prozentpunkte gesenkt wird. Der Präsident des Notenbankbezirks Chicago, Austan Goolsbee, sagte, die Anleger machten sich offenbar falsche Vorstellungen darüber, wie das Fed-Führungsgremium funktioniere: "Wir debattieren bestimmte geldpolitische Maßnahmen nicht spekulativ mit Blick auf die Zukunft", sagte er dem Sender CNBC.

Laut Fed-Chef Jerome Powell rückt allerdings die Frage ins Blickfeld, wann eine Lockerung angebracht sein werde: "Das wird ein Thema für uns", sagte er nach dem jüngsten Zinsbeschluss vor der Presse. Die US-Währungshüter beließen dabei den geldpolitischen Schlüsselsatz auf der dritten Sitzung in Folge in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent.

Die Experten von Bank of America Global Research erwarten, dass die Fed ab März 2024 insgesamt vier Zinssenkungen um jeweils einen Viertelprozentpunkt vornehmen wird. Die Experten des Brokers erhöhten zu Wochenbeginn den Umfang der zu erwartenden Zinssenkungen für das nächste Jahr von drei auf vier Schritte. Sie gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen auch im Juni, September und Dezember senken wird. (apa)

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