Wohnen Finanzierung Nachfrage nach Wohnkrediten bei Volksbanken Verbund lässt nach

Zwar sei die Nachfrage im Wohnbereich im ersten Halbjahr noch hoch gewesen, nun lasse die Dynamik aber spürbar nach, sagte Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbanken Wien und Sprecher für den Volksbanken Verbund.

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Nachfrage nach Wohnkrediten bei Volksbanken Verbund lässt nach
"Sie wissen, dass wir strengere Maßnahmen bei den Wohnbaukrediten anwenden müssen - wir vermuten, dass viele Kunden die ersten sechs Monate genutzt haben um hier noch Finanzierungen zu machen und wir jetzt in eine Delle hineingekommen sind." Gerald Fleischmann 

Weiterhin stark nachgefragt seien jedoch Projektfinanzierungen sowie die kommerzielle Immobilienfinanzierung. Bis zum Ende des ersten Halbjahres stieg das Kreditvolumen insgesamt auf 21,8 Mrd. Euro (Dezember 2021: 21,6 Mrd.) an.

Die neuen Regeln für die Vergabe von Wohnkrediten sind seit 2. August in Kraft und sollen dafür sorgen, dass Banken weniger lax mit der Vergabe umgehen. Von den Aufsehern kritisiert wurden vor allem die hohe Quote an Krediten mit variablen Zinssätzen sowie der häufige Mangel an Eigenmitteln bei den Kunden.

Bei den Volksbanken sei die Relation zwischen vergebenen Krediten mit fixen und variablen Zinsen derzeit recht ausgeglichen. Man rate Kunden zu Fixzinskrediten, verkaufe aber auf Wunsch auch variable Zinsen, wenn der Kunde das wolle. Aktuell würden aber vermehrt Fixzinskredite nachgefragt, so Fleischmann.

Dass Private und auch Unternehmen aufgrund des unsicheren Umfelds aber generell vorsichtiger in die Zukunft blicken, zeige auch eine Geschäftsklima-Umfrage der Volksbanken von Juni 2022. Die Erwartungen der Volksbanken-Kunden für die kommenden Quartale hätten sich deutlich abgekühlt, besonders bei den Privatkunden seien die Erwartungen sehr düster.

Aber auch die Wirtschaftstreibenden gingen davon aus, dass ihre Ertragskraft zurückgeht - vor allem in Anbetracht der hohen Inflation und vor allem der Energiepreise. Die Volksbanken erwarten daher, dass sich der nach der Pandemie erwartete Aufholprozess verschieben wird und Firmen die Entwicklung bei den Preisen und bei der Energieversorgung zunächst abwarten werden.

"Daher erwarten wir, dass wir in den nächsten Monaten weniger Konsum sehen, wir erwarten, dass wir weniger Investitionstätigkeiten sehen. Wir sehen das auch schon im zweiten Halbjahr bei unseren Kreditnehmern." Gerald Fleischmann

Sobald die Unsicherheit sich aber etwas gelöst habe, sollte der Aufholprozess starten.

Dann wird laut Fleischmann das Thema Nachhaltigkeit, Energiekosten und die Erschließung neuer Energiequellen stark in den Vordergrund rücken. Die Volksbanken haben bereits jetzt bei ihrer Beratung einen Schwerpunkt auf die Finanzierung von Photovoltaik-Anlagen gesetzt. Laut einer für die Volksbanken durchgeführten Gallup-Umfrage unter rund 1.000 Firmen wollen 39 Prozent ihre Energiekosten in Zukunft senken oder arbeiten bereits daran, dies zu tun.

Die ersten sechs Monate liefen beim Volksbanken Verbund aber erfreulich, so Fleischmann. Der Zinsüberschuss stieg um 2,6 Prozent auf 203,6 Mio. Euro und der Provisionsüberschuss erhöhte sich um 3,8 Prozent auf 132,7 Mio. Euro. Auch die Risikosituation bleibe trotz des schwierigen Umfeldes positiv, im Halbjahr wurden mehr Risikovorsorgen aufgelöst als Neue gebildet wurden. Daraus ergibt sich ein positives Risikoergebnis von 11,8 Mio. Euro. Die Quote notleidender Kredite blieb mit 1,9 Prozent gering.

Unterm Strich blieb im Halbjahr weniger übrig als im Vorjahr, der Gewinn sank von 93,1 Mio. Euro um rund ein Fünftel auf 74,6 Mio. Euro. Das Ergebnis des Vorjahres sei aufgrund positiver Einmaleffekte höher ausgefallen, heißt es zur Begründung.

Beim Personal sei man nun nach mehreren Jahren der Umstrukturierung beim Zielwert angekommen, so Fleischmann. Der durchschnittliche Personalstand verringerte sich im Vergleich zur Vorjahresperiode um 145 auf nun 3.099 Mitarbeiter.

Die harte Kernkapitalquote lag zum Ende des Halbjahres bei 13,9 Prozent, nach 14,4 Prozent zum Jahresende. Die Eigenmittelquote fiel von 19,3 Prozent zum Jahresende auf 18,6 Prozent. Was die noch ausstehenden Zahlungen an die Republik angeht - übrig sind noch 100 Mio. von insgesamt 300 Mio. Euro, in der Finanzkrise in die damalige Krisenbank Volksbanken AG (ÖVAG) als Partizipationskapital eingeschossen worden waren - habe die Bank den Aufsehern angezeigt, dass sie die letzte Tranche zurückzahlen wolle. Die Europäische Zentralbank (EZB) prüfe das derzeit. "Wir erwarten, dass wir in den nächsten Monaten von der EZB dazu Bescheid bekommen, wie sie dazu steht", so Fleischmann. (apa)

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