Wohnen Studentenwohnen Wohnkosten für Studierende steigen stark an

Zum Jahresstart 2022 ist der deutliche Aufwärtstrend bei den Kosten für Studentisches Wohnen zurück. Zwei Jahre lange hat der preisdämpfende Corona-Effekt dafür gesorgt, dass sich der durchschnittliche Zimmerpreis bei Neuvermietungen in Deutschland in einer engen Spanne zwischen 389 und 400 Euro bewegte.

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Wohnkosten für Studierende steigen stark an

Damit ist es jetzt vorbei: Im Schnitt müssen Studierende nun mit 414 Euro Wohnkosten rechnen, wenn sie sich eine neue Bleibe suchen. Das ist das zentrale Resultat einer Auswertung aktueller Wohnangebote in 97 Hochschulstädten mit über 5.000 Studierenden, welche das Moses Mendelssohn Institut in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-gesucht.de und im Auftrag des Immobilienprojektentwicklers GBI durchführte.

Der aktuelle deutliche Preisauftrieb trifft Standorte jeglicher Art: Metropolen, klassische Uni-Städte und viele kleinere Städte. „Somit ist das ein umfassender und starker Trend“, sagt Dr. Stefan Brauckmann, Geschäftsführender Direktor am Moses Mendelssohn Institut (MMI): „Viel deutet darauf hin, dass dies nur der Anfang einer deutlichen Preissteigerungswelle beim Studentischen Wohnen ist, verstärkt durch steigende Energiepreise, welche hier überproportional wirken.“ Für die Analyse der Anspannung des Studentischen Wohnungsmarktes auf Bundes- und Städteebene werden regelmäßig jeweils 23 Kriterien untersucht, von Mieten über Studierenden-Zahlen bis zur Attraktivität im Ausland. „Alle Daten lassen sich aktuell als eine Art Frühindikator interpretieren, die eine deutliche Reaktion des Marktes anzeigen“, so Dr. Brauckmann: „Danach wird es schon im Sommersemester, aber vor allem dann im September eine weitere, deutlich zu spürende Entwicklung bei den Wohnkosten für Studierende geben.“

Besonders stark ist der aktuelle Preis-Auftrieb im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie etwa in Frankfurt. Dort stiegen die Mietkosten nach der Corona-Seitwärtsbewegung von 520 auf 550 Euro. In München – dem bundesweiten Kosten-Spitzenreiter – wird mit 680 Euro für ein WG-Zimmer der Vor-Pandemie-Wert von 650 Euro ebenso klar übertroffen. Noch deutlicher sind die Erhöhungen in einigen klassischen Hochschulstädten: in Tübingen von 400 auf 445 Euro, in Heidelberg um rund 40 auf 450 Euro und in Münster ist mit 395 Euro die 400 Euro Schallmauer erstmals nicht mehr fern. In Freiburg wurde die 450 Euro-Marke durchbrochen, der neue Durchschnittswert der Neuvermietungen liegt nun bei 464 Euro.

Ausgangspunkt für die neue Entwicklung war der Herbst vergangenen Jahres. Viele Studierende trafen mit dem Start des Wintersemesters erst nach langem Zögern und in letzter Sekunde ihre Entscheidung, dass sie am Hochschulort eine eigene Bleibe wollen. Auch die GBI Holding AG beobachtete als Projektentwickler dieses Phänomen an den 22 Standorten der Eigenmarke SMARTments student: „Normalerweise sind August und Anfang September die Haupt-Zeit für Vertragsabschlüsse. Wegen der Pandemie-Ungewissheiten gab es aber 2021 wie auch im Jahr zuvor bis dahin nur vergleichsweise wenige Unterschriften neuer Mieter“, erzählt Anja Bachmann, verantwortlich für die Entwicklung der SMARTments-Produktlinie: „Doch dann kam geballt der Last-Minute-Effekt, der für eine fast vollständige Belegung unserer Häuser sorgte. Diese zeitliche Verzögerung ist ein Branchen-Phänomen.“ Deshalb machte sich die Nachfrage ab Ende des Jahres bei den Preisen für Studentisches Wohnen bemerkbar.

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