Retail Nonetheless - The Show Must Go On!

People | Places | Pleasure -Das war das 26. Retail Symposium by RegioPlan

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Nonetheless - The Show Must Go On!

Am 23. Mai 2024 hat das 26. Retail Symposium by RegioPlan stattgefunden. Mehr als 300 Entscheidungsträger aus der Handels- und Handelsimmobilienbranche versammelten sich erneut im wunderbaren Ambiente des Palais Ferstel. Die Veranstaltung wurde von Romina Jenei, CEO der RegioPlan Consulting GmbH, eröffnet und stand heuer unter dem Motto „The Show Must Go On!“.

Als Kick-Off des Tages präsentierten Martina Wasserbauer von MWI Immobilien/RegioPlan Consulting und Amela Salihovic von RegioData Research zum Thema „Fiktion oder Wahrheit: Schlagzeilen unter professioneller Bewertung“. Aufgedeckt wurde, wie es wirklich um Themen wie (Online)Handel, Selbstbedienung oder Wirtshaussterben steht. Kurz zusammengefasst: oft dramatisch kommuniziert, aber doch bedingt wahr.

Exklusivität, Individualität, Emotionen und vieles mehr!

Im Rahmen der diesjährigen Konferenz hielt Gertraud Auinger-Oberzaucher, Geschäftsführerin von themata einen inspirierenden Vortrag zum Thema "Den Konsumenten kennen: Ist der Kauf nur Nebensache?". Frau Auinger-Oberzaucher erläuterte, dass Kunden heutzutage weit mehr als nur Qualität erwar- ten. Exklusivität, Individualität, Emotionen und Authentizität sind ebenso von großer Bedeutung. Kunden setzen sich intensiv mit Produkten auseinander und entwickeln dabei Emotionen zur Marke.

Abschließend betonte Frau Auinger-Oberzaucher die Rolle des Händlers als Gastgeber. Geschäfte sollen besondere Orte der Atmosphäre und des Wohlfühlens sein, wo Beziehungen gepflegt und Kunden herzlich willkommen geheißen werden. Sie stellte die interessante Frage, ob das "Erlebnis pro Quadratmeter" eine neue Messgröße im Handel sein könnte.

Diskont versus Luxus: Was passiert mit der "goldenen Mitte"?

Im Rahmen der Konferenz diskutierten führende Experten aus der Handelsbranche über die Herausforde- rungen und Veränderungen, denen die sogenannte "goldene Mitte" im Einzelhandel gegenübersteht. Die Diskussion wurde von Ines Delic, Senior Sales Expert, RegioPlan Consulting GmbH moderiert und beinhal- tete Beiträge von Brancheninsidern wie Norbert W. Scheele, Head of European Expansion, C&A, Marc Andreas Carls, Country Manager AT/CH/HU, Takko ModeMarkt GmbH und Florian Richter MSc, Center Manager WIEN MITTE The Mall, CC Real GmbH.

Delic stellte die provokante Frage, ob es die "goldene Mitte" überhaupt noch gibt. Sie betonte, dass viele Unternehmen es versäumt haben, ihre Zielgruppen zeitgemäß anzusprechen und sich an die neuen Marktbedingungen anzupassen. Richter unterstrich die Bedeutung eines breiten Angebots, das den Be- dürfnissen und Erwartungen der Zielgruppe gerecht wird. Dabei sei es essenziell, die Fluktuation gering zu halten und den Kunden Verlässlichkeit zu bieten. Scheele betonte, dass Omni-Channel-Strategien zur "goldenen Mitte" dazugehören. Es sei wichtig, den Kunden auf allen Kanälen zu erreichen und die Ver- fügbarkeit von Produkten sowohl online als auch stationär sicherzustellen. Die Entwicklung des Online- Handels seit Covid hat gezeigt, dass Unternehmen hier aufgeholt haben, obwohl der Online-Anteil gewiss noch nicht die 20%, wie bei den durchschnittlichen Onlineanteilen der Österreicher für Bekleidung, er- reicht hat. Carls betonte „Wir sind stationär orientiert!“. Das Kerngeschäft sei stationär, der Onlinehan- del somit eine Ergänzung zum stationären Handel.

Mithalten mit den E-Commerce-Giganten

Eine der Expertengruppen widmete sich den Strategien der großen E-Commerce-Giganten und wie diese den Kundenbedürfnissen gerecht werden. Mit am Podium waren Nikolaus Köchelhuber, Partner EY Parthenon, Lorenz Edtmayer, Founder & CEO, DISRUPT Holding GmbH, Lukas Wieser, Co-CEO & Founder, MYFLEXBOX Austria GmbH sowie Romina Jenei, CEO von RegioPlan Consulting GmbH.

Die Experten diskutierten die extremen Wachstumsstrategien der E-Commerce-Giganten, welche sich durch ihre konsequente Ausrichtung auf spezifische Kundenbedürfnisse auszeichnen. Die Giganten ope- rieren ähnlich wie stationäre „1-Euro-Shops“, aber auf einer digitalen Plattform. Sie verzichten auf

Lagerhaltung und Abschriften, um die Preise niedrig zu halten, was sie zu starken Wettbewerbern macht. Europäische Unternehmen könnten von diesen Modellen gewisse Strukturen „abschauen“, sollten jedoch vorsichtig sein, da eine direkte Nachahmung durchaus problematisch und unter europäischen Rahmen- bedingungen oft auch nicht möglich wäre. Zusammengefasst wurde, dass E-Commerce Unternehmen häufiger radikaler und mutiger sind und passen sich dadurch oft schneller als stationäre Händler an die Kundenbedürfnisse an.

Hot Topic ESG - Nachhaltigkeit als Standortqualität

In einer spannenden Diskussionsrunde debattierten Birgit Kraml, Partnerin, Wolf Theiss sowie ULI Aus- tria Chairwoman, Alexander Budasch, geschäftsführender Gesellschafter, Austro Immo GmbH, Ronald Lausch, MBA, CSO, SMATRICS GmbH & Co KG sowie David Forer, Sr. Project Developer, Tesla Motors Austria GmbH über die Bedeutung und Umsetzung von ESG (Environmental, Social, Governance) in der Handelsimmobilienbranche. Die Moderation übernahm Lisa Grüner.

Kraml unterstrich, dass ESG-Kriterien eine wichtige Standortqualität darstellen. Auch Konsumenten ver- langen zunehmend nachhaltige Gebäude. Für Banken ist die ESG-Konformität ein K.O.-Kriterium bei der Finanzierung. Im Retail-Sektor spielt zudem der soziale Aspekt eine große Rolle, etwa die Arbeitsbedin- gungen der Mitarbeiter, so Kraml.

Bei der folgenden Hot Seat Diskussion, moderiert von Alexander Scheuch, wurden die Auswirkungen von ESG-Kriterien auf die Immobilienbewertung thematisiert. Peter Fischer, Executive Managing Director der Apleona Real Estate AT GmbH, und Isabella Reinberg, CEO der Reinberg & Partner Immobilienberatung GmbH, teilten ihre Perspektiven und Erfahrungen.

Peter Fischer betonte, dass ESG-Kriterien dramatische Auswirkungen auf die Immobilienbewertung ha- ben. In laufenden Gutachten sind bereits Abschläge aufgrund von Energieeffizienzklassen im zweistelli- gen Prozentbereich zu beobachten. ESG ist somit ein entscheidendes Thema sowohl für die Finanzierung als auch für Investitionen. Die Diskussion machte deutlich, dass ESG-Kriterien bereits jetzt einen signifi- kanten Einfluss auf die Immobilienbewertung haben und in Zukunft noch wichtiger werden. Immobilien, die nicht den ESG-Kriterien entsprechen, könnten an Wert verlieren und ein höheres Vermietungsrisiko aufweisen. Daher ist es entscheidend, sich intensiv mit ESG auseinanderzusetzen und entsprechende Maßnahmen zur nachhaltigen Anpassung und Nutzung von Immobilien zu ergreifen.

ECSP Masterclass: Geheimnisse des Lobbyings im Einzelhandelsimmobiliensektor

Julien Bouyeron vom European Council of Shopping Places (ECSP) präsentierte eine aufschlussreiche Mas- terclass zum Thema Lobbying. „Der Einzelhandelssektor steht an einem Wendepunkt und muss sich neu erfinden“ so Bouyeron, der gegenüber der EU die Interessen der europäischen Shopping Center Branche vertritt. Der Sektor durchläuft derzeit zwei Hauptübergänge, die Chancen und Herausforderungen für die Branche bringen: die Grüne und die Digitale Transformation.

Andreas Frischmann, Leitung Vertrieb und Projektmanager von MK Illumination zeigte in seinem Vortrag "All the World's a Stage" eindrucksvoll, wie durch die richtige Inszenierung und das Einbeziehen aller Sinne unvergessliche Erlebnisse geschaffen werden können.

Sascha Stadnikow, Head of Acquisition, Ekazent Management GmbH präsentierte innovative Nutzungs- ideen für Immobilien. Die Präsentation verdeutlichte, wie wichtig es ist, bestehende Immobilien an sich ändernde Nutzungskonzepte anzupassen, um langfristig attraktiv und rentabel zu bleiben.

Mario Schwann, General Manager Designer Outlet Parndorf, präsentierte das Erfolgskonzept des Desig- ner Outlet Parndorf, das durch ein einzigartiges Erlebniskonzept statt des derzeit modernen Mixed-Use- Ansatzes herausragt. Er betonte die Bedeutung von Shopdesign, Performance und Visual Merchandising sowie neuen Schwerpunkten wie Familie & Kinder und Nachhaltigkeit, die es möglich machen, auch ohne viel Nutzungsmix im Handel dennoch zu reüssieren.

Die neue Rolle der stationären Fläche

Amela Salihovic, Marketing und PR Management, RegioData Research, leitete den Pleasure-Block pas- send mit einigen Statistiken zum „Fun“ ein und zeigte, wie stark die Ausgaben für Unterhaltung in den letzten 10 Jahren gestiegen sind. „Es gäbe keinen Konsumrückgang, sondern einen Konsumshift.“

Johannes Berentzen Geschäftsführer der BBE Handelsberatung GmbH hob in seinem Vortrag die Bedeu- tung des „Erlebnisses pro Quadratmeter“ im Einzelhandel hervor. Er betonte, dass erfolgreiche Geschäfte auf Kreativität, Flexibilität und Partnerschaften setzen müssen, um langfristige Erfolge zu erzielen. Die (neue) Rolle der (Handels)Fläche sollte vor allem eine Erlebnisquelle sein. Erfolgreiche Geschäfte basieren nicht nur auf Umsatz, sondern vor allem Erlebniswert (und somit auch dem Mehrwert), den sie den Kunden bieten.

Erfolgreiche Geschäftsideen wurden in der Runde „Wir waren mutig“ präsentiert. Mit am Podium waren Lucas Langhammer, Prokurist | Business Development, Cineplexx Kinobetriebe GmbH, Paul Douay, Di- rector of Operations Austria & Germany, Unibail-Rodamco-Westfield sowie Martin Rohrbach, Room & Spoon CM Hospitality Consulting e.U.. Moderiert wurde die Runde von Monika Hohenecker, Senior Ex- pert Cities & Municipalities, RegioPlan Consulting GmbH. Rohrbach präsentierte das „Gleisgarten“-Pro- jekt, die erste Food Hall in Wien, und unterstrich die Bedeutung von Leidenschaft und Durchhaltevermö- gen für den Erfolg. Douay und Langhammer stellten das neue Kinokonzept der Zukunft in der Westfield SCS vor, wo das oft totgesagte Kino wieder für Kundenfrequenzen und Erlebnisse sorgt.

Die Zukunft des Einzelhandels erfordert Flexibilität

Als krönender Abschluss diente der Vortrag von Joanna Fisher CEO, ECE Marketplaces GmbH & Co. KG. „Die Zukunft des Einzelhandels erfordert Flexibilität und die Fähigkeit, sich mit Veränderungen ausei- nanderzusetzen“ so Fisher. Sie betont die Bedeutung von Mut und Kapital, insbesondere für das Konzept des "Placemaking", das darauf abzielt, attraktive Orte zu schaffen. Fisher hebt hervor, dass der europäi- sche Wirtschaftsmarkt positive Entwicklungen zeigt und dass der Handel eng mit Emotionen verbunden ist. Obwohl es Herausforderungen wie Inflation und begrenzte Kapitalverfügbarkeit gibt, bleibt der Markt für Einkaufszentren attraktiv und bietet gute Investitionsmöglichkeiten.

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