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Künstliche Intelligenz steckt im Bauwesen noch in den Kinderschuhen. Mit den Tools wie Early Bird und Smart Moodz läuten Wolf Plettenbacher und Martin Stopfer eine neue Ära ein.

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Frühwarnsystem

Die Bauwirtschaft ist nicht gerade für ihre Innovationskraft bekannt. Wie passt Künstliche Intelligenz da ins Bild?

Wolf Plettenbacher: Ich bin seit mehr als 25 Jahren in der Bauindustrie tätig. Ich habe Unternehmen sowohl in baubetrieblicher als auch bauwirtschaftlicher Hinsicht beraten und war in verschiedenen Führungspositionen in der Bauindustrie tätig. In diesen 25 Jahren habe ich viele große und auch kleine Projekte scheitern sehen. Da wird man nachdenklich, warum das so ist. Wobei das Scheitern betrifft nicht nur Bauprojekte. Die Erfolgsstatistik von Großprojekten spricht Bände: Fünf von zehn Technologieprojekten, sechs von zehn Energieprojekten, sieben von zehn Dammbauprojekten, neun von zehn Transportprojekten und zehn von zehn Olympischen Spielen scheitern    

Beeindruckende Statistiken – aber vielleicht ein wenig zu negativ gedacht?

Plettenbacher: Glaubt man dem Ökonomen Bent Flyvbjerg, sind die Kostenexplosionen wie am Berliner Flughafen alles andere als ungewöhnlich. Flyvbjerg hat sich auf die Analyse von Großprojekten spezialisiert. 2002 veröffentlichte er eine Studie mit dem Titel „Fehler oder Lüge – die Kostenschätzungen bei öffentlichen Bauvorhaben“, die für die Forschung wegweisend war. Darin konnte er nachweisen, dass bei neun von zehn großen Infrastrukturprojekten weltweit die Kosten unterschätzt wurden. Im Schnitt waren die Bauten am Ende um 28 Prozent teurer als ursprünglich geplant.

Wie kann man dem begegnen?

Plettenbacher: Mit Early Bird geben wir allen an einem Bauprojekt Beteiligten eine Softwarelösung in die Hand, welche in der Lage ist, Risiken aufzuzeigen. Dafür werden alle E-Mails, Protokolle, Pläne und Schriftverkehr mit Hilfe von unserer programmierten Künstlichen Intelligenz auf Risiken analysiert. Stopfer: Erkennt Early Bird ein Risiko, leuchtet der Bereich Rot auf. Doch damit nicht genug, gleichzeitig kann auch ein Workflow in Gang gesetzt werden, um das Problem zu lösen. Dabei können Aufgaben zugewiesen und Fristen gesetzt werden. Was uns aber ganz wichtig ist: Künstliche Intelligenz entscheidet nicht – Künstliche Intelligenz bereitet nur die Daten so vor, dass rasch entschieden werden kann. Die Entscheidung, ob wirklich ein Risiko besteht, trifft am Ende immer der Projektleiter. 

Wo kommt Künstliche Intelligenz ins Spiel?

Stopfer: Allein mit dem Sammeln der Daten ist es jedoch nicht getan. Sowohl im Projektmanagement als auch bei Kundenbeziehungen spielen Emotionen eine große Rolle. Künstliche Intelligenz hilft uns dabei, die Emotion zu erkennen und sichtbar zu machen. Wir haben der Künstlichen Intelligenz innerhalb eines Jahres durch bauprojektspezifische Annotierung – so heißt das in der IT-Fachsprache – beigebracht, was ist ein positives Wort, was ist ein negatives Wort und was ist ein positiver Kontext, was ist ein negativer Kontext. Mittlerweile sind es 11.500 Begriffe und Kontexte und jeder Einzelne wurde einem Cluster, von in Summe acht, zugeordnet. Emotionen, Kosten, Planung, Organisation, Arbeitssicherheit, Umfeld, Termin und Qualität. Sobald ein Risiko erkannt wird, verfärbt sich der Bereich Orange oder Rot – in Millisekunden im Dashboard, also Just-in-Time.


Das Interview in voller Länge lesen Sie in der BauTecFokus Frühlingsausgabe.