Reisen wird anders

Ein Kommentar von Frans-Jan Soede

Die Tourismusbranche wird sicherlich anders aus der Pandemie hervorgehen als andere Branchen und steht vor einigen schwierigen Jahren. Reisen verändert sich, doch die Menschen wollen und werden reisen!

19.11.2020 | Donnerstag vor 5 Tagen von Amelie Miller
Reisen wird anders Foto: REMG

Reisen wird anders

Ein Kommentar von Frans-Jan Soede

City

Der Status quo der City-Hotellerie ist besorgniserregend! Wir müssen uns auf eine längere Phase der Unvorhersehbarkeit einstellen. Die Gäste bleiben aus und die Rücklagen schmelzen. Die staatlichen Maßnahmen werden nicht reichen. Es droht eine Insolvenzwelle.

Den internationalen Reiseverkehr (die Mutterbranche der Hotellerie), den wir noch Anfang dieses Jahres kannten, wird es sehr lange nicht mehr geben. Wir müssen uns langfristig (fünf bis acht Jahre) auf eine neue Dimension einstellen (ca. -40 Prozent verglichen mit 2019) und handeln. Hotelimmobilien ohne Landmark und Positionierung sollten zu anderen Assetklassen wie Wohnen, Studenten- oder Senior-Living oder auch Büro umgenutzt und rekonfiguriert werden. In diesen Kategorien können neue Arbeitsplätze geschaffen und Überkapazitäten gestoppt werden. Denn wir werden über kurz oder lang allein in Wien über eine Million Quadratmeter Leerstand in Hospitality-Immobilien erreichen. Die drei Kundensegmente Business, Leisure und „Bleisure“ (Business + Leisure) werden sich in unterschiedlicher Weise wieder nach oben entwickeln.

Country

Wir können mit einer Renaissance der Country-Hotellerie rechnen. Nach dem Motto „Qualität vor Quantität“, „Close to home“, „Plane wieder meine Reise selbst“ werden gut etablierte Landhotels und Destinationen enorm profitieren können und es werden hier auch neue Arbeitsplätze entstehen. Seminarhotels, die mit höchsten Standards operieren, werden ebenfalls wieder mehr nachgefragt werden, da sich aufwändige Incentive- und Firmenreisen langfristig nicht realisieren lassen.

In Bezug auf Klimaschutzmaßnahmen muss die Regierung sagen: Schauen wir, dass wir nicht zu viele Anreize für den Kurzzeittourismus geben und konzentrieren wir uns auf ein umweltfreundlicheres Modell für Menschen, die mehr Zeit in einer Region verbringen, mit dem Zug reisen, wenn dies möglich ist, insbesondere auf kürzeren Strecken, um Kurzstreckenflüge zu vermeiden, und investieren wir ein wenig mehr Zeit und Mühe in ein Angebot, das Arbeitsplätze auf lokaler Ebene bietet und gleichzeitig den CO2-Fußabdruck verkleinert.

Conclusio

Die Tourismusbranche wird sicherlich anders aus der Pandemie hervorgehen als andere Branchen und steht vor einigen schwierigen Jahren. Reisen verändert sich, doch die Menschen wollen und werden reisen!