ImmoVision 2021 Dietmar Reindl

Wir fragen, Experten antworten - die Serie zum Jahresbeginn

„Großstädte und deren Speckgürtel werden infolge des Arbeits- und Kulturangebots immer interessant bleiben. Wien etwa benötigt bis 2030 rund 48.000 weitere Wohnungen. Die hohe Arbeitslosenrate infolge der Rezession und damit einhergehende Unsicherheiten könnten zwar die Nachfrage kurzfristig etwas bremsen, dagegen spricht aber das unverändert tiefe Zinsniveau.“

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Dietmar Reindl

Die COVID-19-Pandemie hat die Karten auf dem Immobilienmarkt neu gemischt – oder doch nicht? Wie optimistisch, wie pessimistisch gehen Sie in das neue Jahr? 

Die Lockdowns begleiten uns im ersten Quartal 2021 noch weiter. Nichtsdestotrotz bin ich recht optimistisch: Die Immofinanz ist mit ihren Immobilienprodukten sowohl im Krisenumfeld als auch für die Post-Pandemie-Zeit gut positioniert. 

Die Krise hat bestehende Trends beschleunigt: Im Bürobereich brachte sie einen Digitalisierungsschub, da viele Mitarbeiter über Nacht ins Home Office mussten. Das wird definitiv nicht so bleiben, verstärkt aber bei den Mietern den Wunsch nach höherer Flexibilität. Dafür haben wir mit unserer flexiblen myhive-Office-Produkten genau das richtige Angebot. Mieter bezahlen nur das, was sie an Fläche benötigen und können ihren Bedarf kurzfristig anpassen - und das in einem hochwertigen Büroumfeld mit bestem Service, Infrastruktur und Wohlfühlambiente. „Remote Work“ mit Wohnzimmer-Feeling – das ist myhive. Im Retail wiederum sind durch die temporären Schließungen zwar so gut wie alle Branchen getroffen, Diskont-Anbieter schneiden allerdings deutlich besser ab, was wiederum auf das steigende Preisbewusstsein der Shopper zurückzuführen ist. Das sehen wir auch in unserem Portfolio, das auf kosteneffiziente Retail-Formate setzt.   

Bleiben Wohnimmobilien der Megatrend? 

Großstädte und deren Speckgürtel werden infolge des Arbeits- und Kulturangebots immer interessant bleiben. Wien etwa benötigt bis 2030 rund 48.000 weitere Wohnungen. Die hohe Arbeitslosenrate infolge der Rezession und damit einhergehende Unsicherheiten könnten zwar die Nachfrage kurzfristig etwas bremsen, dagegen spricht aber das unverändert tiefe Zinsniveau. Seit Beginn der Krise sind zudem wieder größere Wohnungen gesucht. Insofern ist auch ein Trend vom Eigentum in Richtung Miete erwartbar.   

Die Immobilienbranche steht in der Pflicht, Stichwort ESG-Faktoren und Taxonomie-VO. Ist die heimische Immobilienwirtschaft ausreichend darauf vorbereitet? Kommt die Nachhaltigkeitswende bei Immobilien? 

Die Immobilienbranche ist in der Pflicht, weil Gebäude generell zu einem hohen Anteil des gesamten CO2-Ausstosses beitragen. Dessen sind wir uns – und auch viele andere große Player – bewusst und beschäftigen uns in unserer Portfoliostrategie seit Jahren intensiv mit nachhaltigen Trends. Unsere flexible Premium-Büromarke myhive ist ein sehr gutes Beispiel, dass wir dabei Trends auch vorwegnehmen. Mehr Flexibilität, Community und Vernetzung sowie nachhaltigere Ausstattung, etwa durch die Verwendung standardisierter Fit-outs – das ist gefragt. 

Zweifellos wird der Fokus künftig stark auf Immobilien und Aktivitäten liegen, die gemäß der EU-Taxonomie „nachhaltig“ sind. Wir sehen das durchaus als Chance, etwa hinsichtlich Mieterzufriedenheit, Finanzierungen, Positionierung am Kapitalmarkt und Beitrag zum Klimaschutz.   

Immobilien Tokens -werden Blockchain-Netzwerke die Immobilienwirtschaft verändern? 

Alle Digitalisierungs-Maßnahmen, die Möglichkeiten zur Steigerung der Kundenzufriedenheit, der Ressourcen-Schonung und der Kostenersparnis bieten, werden sich über kurz oder lang durchsetzen. Das sollte die Branche antizipieren und sich vorbereiten. Im Bereich der Blockchain-Technologie sind das Immobilien-Tokens im Transaktionsbereich, es gibt aber auch noch breitere Anwendungsmöglichkeiten, die diskutiert werden sollten. Im gesamten Digitalisierungsbereich kommt auch Partnerschaften mit technologie-getriebenen Start-ups eine hohe Bedeutung zu. So haben auch wir uns im Vorjahr an zwei Prop-Techs beteiligt und erhöhen – etwa mit deutlich erweiterten Möglichkeiten der myhive-App -  die User Experience für unsere Kunden.   

Worauf wird sich Ihr Unternehmen 2021 fokussieren? 

Auf die Fortführung der langjährigen guten Partnerschaft mit unseren Mietern, eine unverändert hohe Kundenzufriedenheit und profitables Wachstum: Das erste Quartal ist jedenfalls im Einzelhandelsbereich noch von Covid-19 beeinflusst, aber vor allem STOP SHOP erweist sich als sehr krisenresistent. Hier haben wir erst im Dezember den Erwerb weiterer Retail Parks bekanntgegeben und halten mittlerweile bei rund 100. Mittelfristiges Ziel ist, auf 140 Standorte zu wachsen. Und im Office-Segment rollen wir unser flexibles myhive-Konzept in weiteren bestehenden Bürogebäuden aus und sondieren Akquisitionsmöglichkeiten.  

Weitere Informationen finden Sie unter: www.immofinanz.com